Das Bild zeigt ein Seekajak auf einem Fluss

Ein Bericht von Berthold Winkelmann

Also, Poelen hat hier nichts mit Fußball zu tun; das vorweg, auch wenn man im Ruhrpott zu Fußballspielen „pöhlen“ sagt. „Wollste mitkommen pöhlen morgen?“ „Nee, ich kann nicht schon wieder pöhlen gehen.“ Wir kommen auf den Hof und Minicamp von Wim und Nienke Huitema in Heeg. Etwas bizarr ist der Anblick schon, denn die meisten haben ihre Wohnwagen und Mobilheime winterfest gemacht und ziehen sich langsam zurück. Wir wollen noch paddeln, das Spät-Sonnenwetter genießen und natürlich unser neu erworbenes Zelt ausprobieren. Sonne ist die nächsten Tage angesagt. Deswegen sollte das mit dem Zelten auch wohl klappen. Wir stehen mit dem Zelt auf dem Camping nahe am Weisleat-Tief. Das Zentrum erreichen wir fußläufig. Meistens kaufen wir unsere Verpflegung vor Ort und nehmen die örtliche Gastronomie in Anspruch. Das kommt gut an bei den Einheimischen und man wird nicht gleich als Deutsch-Touri abgestempelt. Die Niederländer sind ein uriges Volk mit ihren alten Traditionen. Sie gehen gerne und viel aus und genießen. Wir tun es denen gleich.

Die Poelen sind ein kleines, zusammenhängendes Mar-(Seen-)gebiet in Nordfriesland unweit dem Heeger Meer, das mit kleinen Kanälen verbunden ist. Hier lassen sich Rundkurse mit Entfernungen von 10 bis 30 Kilometer paddeln. Leicht lässt sich das Paddelrevier um die „Brekken“ erweitern. Wim, der Platzinhaber, hat ein Herz für Paddler und einen Anleger für kleinere Boote geschaffen, was sehr bequem für uns ist. Allerdings gibt es für Paddler nicht überall so viel Komfort. Von hier aus starten wir 3 unterschiedliche Touren. Einmal müssen wir einen großen Schlag von 4 km übers „Meer“ machen, was aber wegen des ruhigen Wetters kein Problem für die kleinen Boote darstellt. Es gibt unterwegs eine Menge zu entdecken: alte Plattboote aus den Jahrhundertwenden und nagelneue Superjachten. Neidisch, nee - aber mein Vater hätte mit Blick auf die Yachten gesagt: damals mal besser in der Schule aufgepasst !

In den größeren „Meeren“ liegen Inseln, meistens mit kleinem Sandstrand. Das ist für das Anlegen der Boote sehr praktisch. Hier machen wir eine Pause, genießen die Weite übers Wasser und schauen den anderen Wassersportlern zu.  Wer ein Zelt dabei hat kann auch mal eine Nacht dortbleiben. Zu dieser Jahreszeit ist auf dem Wasser nicht mehr so viel los. Das macht das Paddeln echt angenehmer.

Während wir uns hier aufhalten und die freie Zeit genießen geraten wir unversehens in ein Dorffest mit sportlicher Einlage, dem „Drekrace“ mit Musik und Tanz  im Festzelt. Das Drekrace ist quasi eine Offroad-Schlammschlacht ähnlich einem Hindernislauf mit mehreren knackigen, dreckigen, schlammigen Einlagen. Der Zirkel ist sehr anspruchsvoll und verlangt eine ganze Menge an Kondition von den Teilnehmern, denen die Anstrengung ins Gesicht geschrieben steht. Aber irgendwie haben alle großen Spaß an der Sache. Mitmachen kann da jeder und der Applaus der Zuschauer ist einem gewiss.

Als Ausgleich zum Paddeln radeln wir gerne durch die platte, weite Landschaft und machen Pause in den kleinen, urigen Hafencafes. Mit dem Rad lassen sich schöne Erkundungstouren z.B., von Heeg über Gaastmeer nach Odega und zurück unternehmen. Uns haben es besonders die kleinen Gärten an den typisch friesischen Häusern, die oft sehr geschmackvoll gestaltet sind, angetan, kostenlose Anregungen inclusive.

Es kommt natürlich wie es kommen musste. Der vorletzte Tag beschert uns kräftigen Regen mit Wind aus Nord-West. An Paddeln ist jetzt nicht mehr zu denken. Aber ein Lesetag im Zelt im warmen Schlafsack hat auch was und wir lieben es, wenn der Regen aufs Zelt prasselt. Gut, das wir uns für eine gute Zeltqualität entschieden haben. Es ist alles trocken geblieben. Lediglich meine Isomatte hat regelmäßig ihren Dienst eingestellt. that's hell !

Bilder und Text von Berthold Winkelmann